Auf seiner Visitenkarte steht: "Grimm-Ingenieure. Technisches Gebäudemanagement."
Holger Grimm ist Ingenieur für Versorgungstechnik und betreibt in Weimar
eine kleine Firma.
Firma? Das Wort, sagt er, sei zu hoch gegriffen.
"Wir nennen uns zwar Firma, aber wir sind eine lose Vereinigung von Technikern
und Ingenieuren, die sich zu verschiedenen Projekten gegenseitig 'einladen'.
D.h. einer nimmt den Hut und sagt: Wollt ihr mit einsteigen? Und es ist halt
einfach so, wir machen bestimmte Sachen, die andere Leute nicht machen, und
deshalb kommen wir immer wieder zusammen. Wir sind hier in Weimar zwei feste
Mitarbeiter, und wir holen uns weitere, entsprechend wie wir sie brauchen. Ob
das Studenten sind, die einfach irgendwelche Messungen machen. Ob es ein Ingenieur
ist, der eine Baustelle leiten soll."
Holgers Fachgebiet ist die Versorgungstechnik: "Das, was ein Gebäude
im Inneren und Äußeren zum Leben erweckt. Ein Gebäude ohne Versorgungstechnik
ist tot."
In dem Netzwerk, in dem er arbeitet, fühlt er sich nicht als Chef, sondern
eher als der Mittler: "Neben dem Techniker, der den größten
Kundenkontakt hat, knüpfe ich die Kontakte zu dem Architekten. Ob es bauphysikalische
oder gestalterische Fragen sind, der Architekt kommt zu mir und sagt, wir haben
dieses oder jenes Problem. Ich verteile das dann, bringe mein Wissen von der
Technik her ein."
Auf das Programm der 'Sommerkurse' ist Holger rein zufällig in der Weimarer
Stadt-Information gestoßen. Der Begriff der Moderne, bei dem sich für
einen Techniker natürlich sofort etwas auftue, habe sein Anfangsinteresse
geweckt. Einen Einstieg in die Philosophie hat Holger schon seit längerem
gesucht. Einmal aus dem ganz einfachen Grund, weil er mit einer Philosophin
in einem Haus lebt, und er eine Grundidee davon haben wollte, was die Philosophen
so umtreibt, dann aber auch vor seinem eigenen beruflichen Hintergrund:
"Was halt die nachhaltige Moderne betrifft, so tangieren wir uns sehr
stark, die Philosophen und die Techniker... Ich beschäftige mich ja in
meinem Beruf mit der Wechselbeziehung zwischen Umwelt und Mensch. Wie bewegt
er sich in seiner Umwelt? Wie lebt er in seiner Umwelt? Was nimmt er und was
gibt er ihr? Da draußen machen wir ja alles nur von der praktischen Seite,
d.h. ohne eigentlich theoretische Reflexionen. Wir kennen nicht die Gedanken
der Philosophen, die mal vor uns gelebt haben oder die jetzt unter uns leben.
Es ist ganz einfach so, man bekommt einen anderen Blickwinkel für die Probleme."
Abwasser z.B. sei nicht nur ein technisches Problem. Es habe ja Ursachen, warum
es dieses Abwasser gebe. "Man darf halt nicht immer nur die Auswirkungen
beseitigen, sondern muß an die Ursachen gehen. Abfallvermeidung, Lärmvermeidung,
alles was damit zusammenhängt, daß unser Leben nicht mehr so lebenswert
ist, wie es vielleicht vor 50 Jahren war. Es ist alles verschmutzt. Es ist laut.
Man merkt es auch hier täglich. Der Stadtraum ist zwar sehr schön.
Es ist alles sehr nah, aber die Probleme der Konzentration kriegt man hier geballt
mit. Die Straße, die hier vorbeiführt, ist zwar sehr angenehm für
die Leute, die hier wohnen, weil sie schnell zu ihren Häusern kommen. Aber
man muß sehen, daß man was an den Gebäuden tut, damit der Lärm
nicht nach innen dringt, damit sie zumindestens eine Ruhephase haben, und im
zweiten Schritt muß man an den Fahrzeugen etwas tun."
Die Reflexion über Begriffe wie Nachhaltigkeit findet Holger interessant:
"Ich hatte keine Ahnung, was sich hinter den Begriffen genau verbirgt.
Man liest es immer wieder, man nimmt es so auf, aber man verarbeitet es nicht."
Ein reflektierter Umgang damit sei auch in seinem Beruf wichtig. Vor allem
wenn man eine Unternehmensphilosophie hat wie 'Grimm-Ingenieure': "Wir
machen wenige Sachen, wir versuchen, die genau so zu machen, wie der Kunde es
haben möchte. Es bringt bei uns nicht die Masse. Es bringt bei uns das
einzelne Projekt, das richtige Ergebnis."
Vor Ort sei dann nicht nur die technische sondern auch die soziale Kompetenz
gefragt. Die Fähigkeit zum Umgang mit Menschengruppen, zur Moderation zwischen
Kunden, Lieferanten und Architekten sei gefragt, und es sei schon eine schwierige
Sache, einen Architekten in einen technischen Prozess einzubinden.
Die 'Sommerkurse' sind Holgers Urlaub in diesem Sommer. "Das bringt mich
hier wirklich weiter. Für die Arbeit und natürlich auch für mein
eigenes Leben. Also für mich ist das schon ein Schritt auf den Pfad des
guten Lebens.