Kurs F: Gender Studies

Privat – Öffentlich– Politisch. Wege der Frauen – und Männerpartizipation.

Katrin Zirkel, *1975, geboren und aufgewachsen in Weimar, studierte von 1993 bis 1998 Außerschulisches Erziehungs- und Sozialwesen an der Universität Siegen, von 1996 bis 1997 absolvierte sie ein Gastsemester an der Universidad de los Andes, Bogotá/Kolumbien. Seit 2002 ist sie als pädagogische Mitarbeiterin in der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte in Weimar tätig. Fachbereich: Internationale Fragen und Globales Lernen, Schwerpunktthemen: Menschenrechte, Globalisierung, Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Antonia Furjelova, *1973, studierte Philosophie und Geschichte an der Comenius Universität in Bratislava und schloss das Studium 1997 ab. Von 1999 bis 2005 unterrichtete sie dort Philosophie und Feministische Theorie. Sie organisierte und leitete Weiterbildungsseminare für LehrerInnen und NGOs im Bereich Gender-Studies. Lebt seit 2005 in Weimar und ist neben ihrer Promotion freiberuflich tätig.



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Für moderne Gesellschaften gilt, dass die drei Sphären – private, öffentliche, politische – für beide Geschlechter im Prinzip gleichermaßen zugänglich sind. Die Tür zum dritten Bereich wurde für Frauen vor 90 Jahren mit dem passiven und aktiven Frauenwahlrecht geöffnet. Die sozialen Entwicklungen der letzten Jahre in Deutschland und die aktuellen Diskussionen ermöglichen, dass auch den Männern eine aktive Teilnahme im privaten Bereich zugestanden wird und dass zumindest einige von ihnen diesen Wert für sich erkannt haben.

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts, obwohl es noch keine systematische Mädchenbildung gab, aspirierten immer mehrere Frauen auf ein literarisch, bzw. künstlerisch tätiges Leben. Als Autorinnen, Zeitungsverlegerinnen und Dramatikerinnen machten sie sich einen Namen und verdienten ihren Lebensunterhalt - sie professionalisierten sich. Einige Frauen hatten aufgrund ihrer Herkunft und unter mehr oder weniger zufälligen Umständen Möglichkeit gehabt, an wichtigen politischen Entscheidungen mitzuwirken.

Nach dem Tod ihres Mannes wurde die 20-jährige Anna Amalia zur Regentin des kleinen Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Somit führte sie 16 Jahre die obervormundschaftliche Landesadministration für ihre zwei unmündigen Söhne und hat sich nicht ohne Erfolg den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen gestellt.

Später mit der Einberufung der berühmten Tafelrunden, beteiligte sie sich aktiv an der Gestaltung des kulturellen Lebens in Weimar und regte einen Austausch über Fragen der Kunst, Musik, Literatur und des Theaters an. Die intensive Geselligkeitskultur in Weimar, wie sie seit Herzogin Anna Amalia und noch im bürgerlichen Salon Johanna Schopenhauers gelebt wurde, eröffnete Frauen Möglichkeiten, die über die Inszenierung des geselligen Leben weit hinausgingen. Trotz dieser Ausnahmen blieb das alte Rollenkonzept bei einer Trennung der gesellschaftlichen Räume: Der Ort von Frauen war das Haus, der Ort von Männern war die Öffentlichkeit.

Der Einfluss der Französischen Revolution für die emanzipatorische Orientierung der Menschenrechte und ihren universalen Anspruch (Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin von Olympe de Gouche) ist zwar unwidersprochen, auf die politischen Rechte mussten die Frauen in Europa jedoch bis zum Ende des Ersten Weltkrieges warten. Die Gründung der Weimarer Republik bedeutete, dass zwei wichtige Forderungen der Frauenbewegung erfüllt wurden: die Einführung des Frauenwahlrechts und eine Verfassung, die in ihrem Gleichberechtigungsartikel Frauen die politische und soziale Teilhabe an der neuen Republik versprach. Man muss in Betracht nehmen, dass das Recht zu wählen für Frauen in Europa von den jeweiligen Nationalstaaten zu sehr verschiedenen Zeiten eingeführt wurde. So durften Frauen in Finnland schon 1906 und in Liechtenstein erst 1984 zur Wahlurne gehen.

In den letzten Jahren sind wir Zeugen der Entstehung einer neuen Welle des biologischen Determinismus geworden. Gegen diesen hat Simone de Beauvoir in ihrem berühmt gewordenen, vor 60 Jahren erschienen Buch Das andere Geschlecht protestiert. Damals hat sie gegen das Bild der Frau als der auf die private Sphäre angewiesenen Hausfrau und Mutter gesteuert und die biologistische, aufgrund anatomisch-körperlicher Unterschiede begründete Argumentation der Kritik unterworfen.

Durch neue biologische Erkenntnisse der Gehirnforschung fungiert heutzutage die Argumentation auf der Grundlage unterschiedlicher neuronaler, bzw. hormoneller Ausstattung von Frauen und Männern. Ist dieser biologisch begründete Unterschied zwischen Frauen und Männern als eine neue Bedrohung oder als eine Herausforderung für die auf den Prinzipien der Gleichberechtigung und Gleichbehandlung basierende politische Doktrin der Europäischen Union zu verstehen?
Die Medien vermitteln diskrepante Geschlechtsbilder. Frauen werden häufig als das „starke Geschlecht“ und Männer als das „schwache Geschlecht“ angesehen. Wie entsteht diese Polarisierung und warum ist sie im nachhinein kontraproduktiv?

Die Partizipation ist bedingt durch formal-rechtliche Kriterien. Der Anspruch der Menschenrechte erklärt sich als universal, d.h. geschlechtsneutral. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde jedoch zusätzlich eine Reihe geschlechtsbezogener Rechte, sogenannte Frauenrechte, formuliert und eingeführt. In welchem Verhältnis stehen geschlechtsbezogene Rechte zu den allgemein-universalen und warum brauchen wir diese immer noch? Diese und weitere Fragestellungen möchten wir uns im Kurs ausführlich diskutieren.

Mit den modernen Demokratien wurde die Voraussetzungen für Partizipation von Frauen und Männern im privaten, öffentlichen oder politischen Bereich geschaffen. Demokratie - als Staats- und Lebensform - war und ist Voraussetzung für die öffentliche und politische Partizipation von Frauen. Der traditionsfreie Raum im Privaten und Öffentlichen und schließlich auch im Politischen wird immer größer und ein konkretes Aushandeln (auch zwischen den Geschlechter) wird immer nötiger……

Zur Teilnahme an diesem Kurs sind Frauen und Männer gleichermaßen herzlich eingeladen!

 

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letzte Änderung: 14.12.2009 , © 2000 - 2009, Sommerkurse Weimar

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